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Siebtes Kapitel

Das leben der Brüder in busse

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1 Jesus Christus hat den Menschen das Evangelium vom Reich Gottes verkündet und sie zur Buße aufgerufen: Sie sollen sich von Grund auf ändern und anfangen, neu zu denken und neu zu urteilen, um so ihrem Leben eine neue Ausrichtung zu geben in der Heiligkeit und in der Liebe zu Gott, die sich in seinem Sohn geoffenbart hat.
2 Die Bekehrung zu einem neuen Geschöpf nimmt ihren Anfang mit dem Glauben und mit der Taufe. Sie fordert, dass wir uns ständig bemühen, auf uns selbst zu verzichten. Indem wir Gott allein leben und zu den Menschen, namentlich zu den Armen, ein neues Verhältnis gewinnen, gibt uns die Buße die Kraft zum Aufbau einer Brüdergemeinschaft nach dem Evangelium.
3 Der heilige Franziskus begann sein Leben der Buße und der Umkehr, als die Gnade des Herrn ihn unter die Aussätzigen führte und er ihnen Barmherzigkeit erwies. So vollzog er seinen Auszug aus der Welt.
4 Mit frohem Herzen und glühendem Geist hat er sein Leben nach den Seligpreisungen des Evangeliums ausgerichtet und beharrlich zur Buße aufgerufen. In Wort und Tat hat er alle Menschen ermutigt, das Kreuz Christi zu tragen; von seinen Brüdern wollte er, dass sie Männer der Buße sind.
5 Der Geist der Buße in einem strengen Leben kennzeichnet unseren Orden. Denn nach dem Beispiel Christi und des heiligen Franziskus haben wir eine harte Lebensweise gewählt.
6 Im Geist der Buße erkennen wir deutlich die Sünde in uns und die Sünde in der menschlichen Gesellschaft. Darum wollen wir bei uns selber und bei unseren Mitmenschen auf Umkehr hinarbeiten, um so Christus in seinem Kreuz und in seiner Auferstehung gleichgestaltet zu werden.
7 Indem wir in solchem Bemühen ergänzen, was dem Leiden Christi noch fehlt, nehmen wir teil am Wirken der Kirche, die heilig ist und doch ständig der Reinigung bedarf, und helfen mit, dass das Reich Gottes zu den Menschen kommt, die als eine große Familie in vollkommener Liebe eins werden soll.
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1 Die Buße, die wir als Auszug und Umkehr verstehen, ist eine Haltung des Herzens, die danach drängt, im täglichen Leben Gestalt anzunehmen.
2 Wenn wir als franziskanische Menschen Buße tun, soll man uns daran erkennen, daß wir den Mitmenschen mit feinfühliger Liebe und herzlicher Freude begegnen. So haben es die Heiligen unseres Ordens gehalten, die gegen sich selber streng waren, zu den anderen aber voll Güte und Aufmerksamkeit.
3 Jederzeit sollen wir uns im Verlangen nach Bekehrung und Erneuerung Werken der Buße widmen nach den Weisungen der Regel und der Satzungen und wie Gott es uns eingibt; so kann sich das österliche Geheimnis Christi immer mehr in uns auswirken.
4 Vor allem wollen wir daran denken, dass unser Leben, das wir Gott geweiht haben, in sich schon eine hervorragende Weise der Buße darstellt.
5 Für unser Heil und das Heil der Mitmenschen wollen wir Gott anbieten: Armut, Demut, die Beschwerden des Lebens, die täglich treu verrichtete Arbeit, unsere Verfügbarkeit im Dienst an Gott und am Nächsten, unsere Bereitschaft, zum brüderlichen Leben beizutragen, die Last von Alter und Krankheit, selbst Verfolgungen, die wir um des Reiches Gottes willen erdulden. Als Menschen, die mit den Leidenden leiden, werden wir in der Gleichförmigkeit mit Christus bleibende Freude erfahren.
6 Wir wollen den gleichen Weg der Umkehr gehen, den der heilige Franziskus gegangen ist, und dabei vor allem auf jene zugehen, die in unserer Zeit verlassen und ohne Hilfe sind.
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1 Christus, der Herr, das Vorbild aller, erhielt vom Vater die Sendung und wurde vom Heiligen Geist in die Wüste geführt. Dort fastete er vierzig Tage und vierzig Nächte. Der heilige Franziskus verlangte als Jünger Christi danach, den Herrn nachzuahmen, und führte auch ein Leben in Fasten und Gebet.
2 Die Adventszeit und vor allem die österliche Bußzeit wie auch die Freitage des Jahres sollen als Zeiten intensiverer Buße des einzelnen und der Gemeinschaft gelten.
3 Zusätzlich empfohlen sind die vierzig Tage der so genannten Benediktfasten und die Vigiltage vor dem Hochfest des heiligen Franziskus und dem Hochfest der Unbefleckten Empfängnis der seligen Jungfrau Maria.
4 An diesen Tagen widmen wir uns bereitwillig den Werken, die die Umkehr fördern: dem Gebet und der Sammlung, dem Hören auf das Wort Gottes, der Abtötung des Leibes und dem Fasten in brüderlicher Gemeinschaft. Was wir durch größere Zurückhaltung vom Tisch des Herrn erübrigen, teilen wir brüderlich mit den Armen und üben so nach altem Brauch mit größerem Eifer die Werke der Barmherzigkeit.
5 Bezüglich der Fasten- und Abstinenzgebote haben sich die Brüder an die Vorschriften der Gesamt- und der Teilkirche zu halten.
6 Es ist Sache des Provinzkapitels, für die Fast- und Abstinenztage und über die Art und Weise des Fastens je nach den verschiedenen örtlichen und zeitlichen Verhältnissen weitere Bestimmungen zu erlassen. 
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1 Im Blick auf das Leiden Jesu und das Beispiel des heiligen Franziskus und unserer heiligen Brüder wollen wir in allem einfach und anspruchslos leben, wie es Arme tun müssen. So führen wir in der Tat ein Leben nach dem Evangelium. Wir wollen auch die freiwillige Abtötung üben und uns gerne einschränken in Speise und Trank und beim Besuch von Veranstaltungen und anderen Vergnügungen.
2 Die Oberen sollen aber für die notwendigen Dinge Vorsorge treffen, besonders zum Wohl der Kranken, und dabei das Gebot der Liebe und das Beispiel des heiligen Franziskus vor Augen haben.
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1 Betroffen von unseren eigenen Sünden und von den Sünden anderer und im Verlangen, als neue Menschen zu leben, wollen wir auch freiwillige Bußübungen auf uns nehmen; diese seien je nach Ort und Zeit dem verschiedenen Empfinden angepaßt.
2 Namentlich werden empfohlen die brüderliche Zurechtweisung, wie Jesus sie lehrt, das Gespräch der Brüder über ihr Leben im Licht des Evangeliums und andere Formen evangelischer Buße, besonders solche, die in Gemeinschaft geübt werden.
3 Über diese und andere Formen gemeinschaftlicher Buße sollen die Provinzkapitel nach den örtlichen Verhältnissen geeignete Vorschriften erlassen. 
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1 Im Sakrament der Buße und der Versöhnung werden die Brüder und die ganze Brüdergemeinschaft gereinigt und geheiligt. Dadurch wird die Einheit mit dem Erlöser erneuert und die Aussöhnung in der Kirche vollzogen.
2 In diesem Sakrament erfahren wir zudem die Gnade des Todes und der Auferstehung Christi und gelangen zu einer tieferen Teilnahme an der Eucharistie und am Mysterium der Kirche.
3 Gereinigt und erneuert durch die Sakramente der Kirche, können wir unser franziskanisches Leben als Kapuziner immer besser entfalten.
Satzungen der Kapuziner – Seite 67
4 Deshalb wollen wir die häufige Beichte, die tägliche Gewissenserforschung und die geistliche Führung hochschätzen. Auch die gemeinschaftliche Bußfeier wird empfohlen.
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1 Die Vollmacht, die Beichte der Brüder entgegenzunehmen, überträgt außer dem Ortsordinarius der Höhere Obere; im Einzelfall und jeweils nur für einmal auch der Hausobere.
2 Jeder Priester des Ordens, der von seinem Höheren Oberen bevollmächtigt ist, kann die Beichte der Brüder an jedem Ort der Welt entgegennehmen.
3 Die Brüder haben die Freiheit, jedem Priester, der von einem Ordinarius die Beichtvollmacht hat, ihre Sünden zu bekennen.
4 Die Beichtväter mögen die Mahnung des heiligen Franziskus beherzigen, daß sie wegen der Sünde, die jemand begangen hat, nicht in Zorn oder Verwirrung geraten, sondern ihn im Herrn mit aller Güte behandeln.
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1 Wir wollen uns gegenseitig so lieben, wie Christus uns geliebt hat; deshalb lassen wir einen Bruder nicht im Stich, der sich in einer Krise befindet, sondern stehen ihm hilfreich zur Seite. Und wenn er vom rechten Weg abgewichen ist, wollen wir ihn nicht richten, sondern ihn in Schutz nehmen, seinen guten Ruf wahren und ihn noch mehr lieben. Denn wir sollen bedenken, dass ein jeder von uns in noch größeres Unheil geraten kann, wenn nicht Gott in seiner Güte ihn davor bewahrt.
2 Die Oberen mögen Brüdern, die gefehlt haben oder die gefährdet sind, in väterlicher Barmherzigkeit beistehen und ihnen geeignete und wirksame Hilfe anbieten, wie es ihnen vor Gott am besten erscheint.
3 Sie mögen Strafen, zumal kanonische, nur dann auferlegen, wenn sie offenkundig dazu gehalten sind. Sie sollen es tun mit aller Klugheit und in Liebe. Dabei sind die Vorschriften des allgemeinen Rechts zu beachten.
4 Immer mögen sie die Worte des heiligen Franziskus im Brief an einen Minister bedenken: "Darin will ich erkennen, ob du Gott und mich, seinen und deinen Knecht, liebst, wenn du folgendes tust, nämlich: es darf keinen Bruder auf der Welt geben, mag er auch gesündigt haben, soviel er nur sündigen konnte, der deine Augen gesehen hat und dann von dir fortgehen müsste ohne dein Erbarmen, wenn er Erbarmen sucht. Und sollte er nicht Erbarmen suchen, dann frage du ihn, ob er Erbarmen will. Und würde er danach auch noch tausendmal vor deinen Augen sündigen, liebe ihn mehr als mich, damit du ihn zum Herrn ziehst."
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