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1 Als hervorragende Gabe Gottes unter den evangelischen Räten gilt uns die Keuschheit, die wir um Christi und seines Reiches willen auf Anregung des Heiligen Geistes in freiem Entschluss annehmen.
2 Der Grund für unser Leben in Keuschheit ist eine Liebe, die auf eine besondere Weise Gott und den Menschen gilt. Durch sie werden wir zu einer größeren Freiheit des Herzens geführt und befähigt, in ungeteilter Liebe Gott anzuhangen und allen alles zu werden.
3 Wenn wir diese Gabe treu bewahren und sie ständig pflegen, wächst unsere Brüdergemeinschaft heran zu einem leuchtenden Zeichen des Mysteriums der Kirche, die ihrem einzigen Bräutigam vermählt ist. Das Charisma des Zölibates, das nicht alle fassen können, ist gleichsam ein Vorgriff auf das Reich Gottes. Als prophetisches Zeichen kündet es an, dass dieses Reich schon in unserer Mitte ist, und bezeugt die Wirklichkeit des kommenden Lebens. In ihm sind alle Auferweckten untereinander Brüder und Schwestern vor Gott, der ihnen alles in allem sein wird.
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1 Eine der herausragenden Eigenschaften des heiligen Franziskus ist der Reichtum seiner Gefühle und seine Fähigkeit, diese Gefühle zum Ausdruck zu bringen.
2 Ergriffen von der Liebe zu Gott und zu allen Menschen, ja zu allen Geschöpfen, ist Franziskus allen Bruder und Freund.
3 Überaus freundlich und edel, bewegt von allem Guten und Schönen, möchte Franziskus, dass seine Brüder frohe Sänger der Umkehr und der Buße sind, ganz erfüllt von Frieden und umfassender, kosmischer Geschwisterlichkeit.
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1 Solange wir noch auf dem Weg zum Reich Gottes sind, gehört zur Keuschheit die Erfahrung, dass uns etwas fehlt. Diesen Mangel gilt es anzuerkennen und anzunehmen. Die sorgfältige Beobachtung der natürlichen und übernatürlichen Mittel ermöglicht dem Bruder ein emotionales Gleichgewicht und erlaubt es, die Gefahren zu meiden, die dem Unverheirateten in höherem Maße drohen: eine missmutige Lebenseinstellung, Vereinsamung des Herzens, Hang zur Bequemlichkeit, ungebührliche Kompensationen oder eine krankhafte Unterdrückung des Gefühlslebens.
2 Die gottgeweihte Keuschheit ist uns als Geschenk gegeben. Sie erhält Nahrung, Kraft und Wachstum durch die Teilnahme am sakramentalen Leben, besonders am eucharistischen Gastmahl und am Sakrament der Versöhnung, durch eifriges, unablässiges Gebet und innige Vereinigung mit Christus und seiner jungfräulichen Mutter.
3 So bauen wir nicht vermessen auf die eigene Kraft, sondern auf die Hilfe Gottes, wenn wir uns darum bemühen, diesem Geschenk hochherzig zu entsprechen.
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1 Die affektive und sexuelle Reifung geht schrittweise den Weg der Umwandlung von einer ich bezogenen und besitzergreifenden zu einer selbstlosen Liebe, die fähig ist, sich anderen zu schenken.
2 Alle Brüder, besonders die Oberen, seien sich bewusst, dass gegenseitige Liebe in familiärer Atmosphäre und im brüderlichen Dienen eine ausgezeichnete Hilfe für die Keuschheit ist.
3 Eine Brüderlichkeit, die echt, heiter und offen für andere ist, macht jedem die natürliche Entfaltung des Gemütslebens leichter. Das brüderliche Leben erfordert den ständigen Verzicht auf die Eigenliebe und gebietet eine Hingabe, die echte und tiefe Freundschaften ermöglicht, welche zur Erfüllung des Gemütslebens viel beitragen.
4 Über die Zucht der Sinne und des Herzens hinaus sollen wir in Demut und Buße leben, frohgemut ausdauernder Arbeit nachgehen und auch andere Mittel anwenden, die der geistigen und leiblichen Gesundheit nützen.
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1 Die Brüder mögen alle Menschen in Christus lieben und danach trachten, sie durch brüderliches und liebenswürdiges Verhalten zur Teilnahme am Reiche Gottes zu führen.
2 Nach dem Beispiel der edlen Beziehung des Bruders Franziskus zu Schwester Klara möge sich unsere Einstellung zu den Frauen auszeichnen durch Höflichkeit, Ehrfurcht und Sinn für rechtes Verhalten.
3 Freundschaft ist ein großes Geschenk und trägt viel bei zum menschlichen und geistlichen Wachstum. Aufgrund unserer Lebensweihe und aus Ehrfurcht vor der Berufung derer, denen wir begegnen, müssen wir es vermeiden, andere Menschen an uns zu binden. Vielmehr sollen wir uns selber ihnen schenken. So kann eine Freundschaft heranwachsen, die befreiend wirkt, nicht aber die Brüdergemeinschaft zerstört.
4 Die Kontakte der Brüder zur eigenen Familie tragen zum affektiven Reifen bei; wir wollen aber nicht vergessen, dass die Brüdergemeinschaft unsere neue Familie ist. 173
1 Erwägen wir immer wieder die Worte des heiligen Franziskus, mit denen er seinen Brüdern Mut macht: Sie sollen alle ängstliche Sorge beiseitelassen und Gott den Herrn mit reinem Herzen, keuschem Leib und heiligem Wirken in allen Geschöpfen lieben und anbeten.
2 Nichts soll uns also hindern, nichts davon abbringen, dass in uns und in unserer Brüdergemeinschaft der Geist des Herrn wirke und sichtbar werde.