Kapuziner im Dienst der Erstevangelisierung auf Kuba
LA HAVANNA, Kuba - Erst 1998, aus Anlass des Besuches von Johannes Paul II. in Kuba, führte Fidel Castro Weihnachten wieder als Feiertag ein. Ein kleines Detail, das die Situation der Kirche und die Probleme bei der Evangelisierung deutlich macht. 40 Jahre war Religion kein Thema auf der Karibikinsel.
„Jedes Kind und jeder Jugendliche, der in die Kirche kommt ist ein Geschenk Gottes“, sagt Br. Philip Cutajar, Kapuziner aus Malta, der seit 1999 in Kuba arbeitet. 60% der Bevölkerung sind zwar getauft, aber in die Kirche kommen gerade einmal 3 von Hundert Kubanern, bei den Jugendlichen sind es noch weniger.
Die ersten Kapuziner kamen 1681 nach Kuba. Seit über 100 Jahre sind Brüder aus Kastilien für die Präsenz verantwortlich. Heute beschränkt sich die Präsenz auf zwei Häuser in La Havanna und eine Niederlassung in Sta. Clara. Zuletzt war die Zahl der Brüder sehr geschrumpft. Kapuziner aus Malta halfen aus, geblieben ist davon nur Br. Philip. Mittlerweile gibt es auch einen Kubaner aus der Provinz Pennsylvania und 4 Brüder aus der Provinz Maranhão in Brasilien.
Kuba ist heute ein Ort der Erstevangelisierung. Viele Menschen, besonders die Jungen haben keine Ahnung vom Christentum. In einer Jugendgruppe in Santa Clara tauschten sich die 15 Jungen und Mädchen im Alter von 15 bis 24 Jahren über ihre Erfahrung aus. „Die Lehrerin hat kein Verständnis für den Gottesdienstbesuch am Sonntag.“ Alle 14 Tage, wenn Sonntags Veranstaltungen in der Schule stattfinden, kann Isabel deshalb nicht zur Messe kommen. „Wenn jemand ein Denkmal für Verdienste um den Glauben bekommen sollte, dann sind das die Großmütter“, sagt Br. Philip. Die haben für das Wenige gesorgt, auf dem wir heute aufbauen. Aber die aktiven Katholiken in Kuba haben einen missionarischen Geist. Und die Kirchen füllen sich wieder mehr und mehr. Weil die Regierung keine neuen Kapellen oder Versammlungsräume in neuen Wohngebieten zulässt, treffen sich die Menschen in kleinen Missionszentren in Privathäusern: zunächst zu Gebetsgruppen, dann zur Sakramentenvorbereitung und später zur Eucharistie. Und immer gehört der Besuch bei den Kranken und die Hilfe für die Armen dazu. Mit viel Geduld und auch Entbehrungen arbeiten die Kapuzinermissionare in Kuba mit den Menschen. Und sie freuen sich an den Früchten. Nach 40 Jahren feiert man schließlich wieder Weihnachten in Kuba.
Helmut Rakowski